Studienfahrt Lipari 2018

Anreise (Tag 1):

Um Schlaf zu sparen, ging es am ersten Tag gleich um drei Uhr am BZM in Markdorf mit vier Autos zum Züricher Flughafen los, von wo um 6:40 der Flieger nach Palermo City ging.

Schon von Anfang an übernächtigt, kam so eine Gruppe von 18 Schülern und 2 Lehrern am Flughafen an. Von hinten waren nur die riesigen Rucksäcke und teilweise ein paar Beine zu sehen, aber alle waren gespannt und hoch motiviert.

Nach ein paar Stunden im Flugzeug von Swiss Airlines und ca. vier Stunden Kartenspielen und Rätseln im Zug mit Aussicht auf die gesamte Nordküste Siziliens hieß es aufsatteln zur ersten Etappe, zu Fuß an den Hafen von Milazzo. Weil fliegende Boote einfach cool sind, setzten auch wir mit einem Tragflügelboot nach Lipari über, um dann mit unserem italienischen Gastgeber in einem alten, verrosteten Bus an die Unterkunft in Canneto zu fahren. Dort angekommen mussten sich einige, nach einer kurzen Pinkelpause in der Unterkunft, mit den einheimischen Quallen anfreunden, welche nicht so gastfreundlich wie die eigentlichen Bewohner waren. Um den Tag wundervoll abzurunden, wurde uns ein Menü à la Mähr-Melzer serviert.

Nach über 20 Stunden Reisen waren alle froh, nach einem erneuten Strandbesuch ins Bett zu fallen.

Monte Pilato (Tag 2):

Weil Ausschlafen anscheinend um halb 8 schon vorbei ist, ging es nach einem ausgiebigen Frühstück um 9 Uhr mit nur kleinem Gepäck und großer Motivation zu unserer ersten Wanderung.

Monte Pilato, ein auf Lipari erloschener Vulkan, welcher in den letzten Jahrhunderten für seinen Bimsstein bekannt gewesen ist, sollte heute unser Ziel sein. Mit wundervoller Aussicht, bestem Wetter, schwarzem Obsidian unter unseren Füßen und literweise Schweiß im Gesicht wurde der Gipfel erklommen, um von unseren zwei Experten für diesen Tag, Luis und Noah, Informationen über den Berg, das Bergwerk und die restliche Gegend zu erhalten. Der anschließende Abstieg durch Geröll und direkt am Abhang entlang war die letzte Herausforderung vor einer entspannenden Schnorchelpause. Nachdem der Versuch, mit den Quallen Freundschaft zu schließen, weiterhin vergeblich scheiterte, wurde die Rückkehr Richtung Canneto via Mini-Bus angetreten. Für alle, die Mini Busse nicht kennen: Sie sind ca. halb so groß wie ein normaler Stadtbus hierzulande, fassen jedoch mindestens dreimal so viele Personen und werden wie ein Rallye-Auto gefahren. Heil angekommen und totmüde wurde noch für die nächsten Tage eingekauft, die Reste für das Abendessen verwertet und schlussendlich tief und fest geschlafen.

Vulcano (Tag 3):

Frühstück gab es auch in unserer sehr flexiblen Unterkunft erst ab halb acht, weshalb wir es leider an unserem dritten Tag nicht wahrnehmen konnten, da wir wieder einmal ein fliegendes Boot Richtung der Nachbarinsel Vulcano nehmen wollten. Vulcano ist von außen betrachtet sehr schön, sobald man die Insel jedoch betritt, möchte man vermutlich nie wieder Eier essen. Der stechende Geruch von faulen Eiern gerät zwar nach kurzer Aufenthaltszeit bereits in Vergessenheit, wird jedoch selbst unsere Eltern zu Hause noch zum Erröten bringen. Ursache allen Übels ist der teilaktive Vulkan, welcher heute von uns vollends erkundet wurde. Gelbe Schwefelkristalle, wortwörtlich atem(be)raubender Nebel und eine wunderschöne Aussicht sind nur die nennenswertesten Punkte dieses Berges. Weil einige von uns den Geruch nach einiger Zeit anscheinend doch willkommen hießen, musste nach einem Bad in den geothermalen Quellen, welche nicht mehr und nicht weniger als ein Open Water Whirlpool waren, noch das heilende Schlammbaden versucht werden. Die Symbiose mit dem Vulkan war nun vollendet.

Zurück nach Lipari ging es diesmal zwar nicht mit einem fliegenden Boot, jedoch mit einem Einheimischen und seinem Motorboot. Bevor wir jedoch in unseren Heimathafen einlaufen sollten, wurde in einer abgelegenen Bucht, welche wir am nächsten Tag von Land sehen sollten, geankert. Eine Runde baden vom Boot aus durfte bei solch einer Studienfahrt selbstverständlich nicht fehlen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Cosimo, unserem italienischen Freund, waren auch an diesem Abend alle rundum glücklich.

Piratenausguck Monte Guardia (Tag 4):

Um unsere „eigene“ Insel, d. h. Lipari noch besser kennen zu lernen, ging es am Montag mit vollem Bauch und geführt von Valentin, Jonas und Nils los Richtung Piratenausguck. Eine Wanderung führte ans andere Ende der Insel, von welchem aus man Vulcano, das Reiseziel des letzten Tages, noch einmal aus der Ferne betrachten konnte. Während die einen von den vergangenen Tagen sehr müde waren und nur noch baden wollten und somit eine Pause einlegten, gingen die anderen eine Etage höher, um den Rundumblick über ganz Lipari schnaufend zu begutachten. Ein himmlischer Anblick, wie man ihn sonst nur aus übertrieben nachbearbeiteter Urlaubswerbung kennt. Mit allgemeinem Wassermangel wurde anschließend die lang ersehnte Bucht zum Schnorcheln, Baden und Entspannen erreicht. Uns erwartete eine unvergessliche Unterwasserlandschaft in türkisfarbenem Wasser bei strahlendem Sonnenschein, welche uns Gestein in allen nur erdenklichen Formen präsentierte. Direkt unter einer Felswand, die vom Wasser aus nach oben bis ins Unendliche zu gehen schien, konnten wir erkaltete Lavasäulen begutachten.

Der Rückweg sollte wiederum in zwei Gruppen stattfinden. „Wer keine Lust mehr auf Laufen hat, darf ab hier den Bus nehmen, der Rest läuft bis in die Stadt, wo die anderen auf uns warten und dann gehen wir alle zusammen noch ins Museum“, war die Ansage. Jedoch fahren Busse auf Lipari "wie sie wollen" und die Gruppe, welche eigentlich vorhatte, als erste da zu sein, kam gar nicht an. Da die Motivation allgemein eher in Richtung: „Ich will ins Bett“ ging, wurde beschlossen, nicht mehr ins Museum zu gehen, sondern direkt nach Hause zu fahren. Jedoch bestand da ein Problem: Die Busfahrer hatten keinen Bus. Nachdem also die Läufer mit einem Taxi von Lipari nach Canneto gebracht worden waren, wurde das Taxi zum Rest geschickt, sodass am Abend alle wieder gemütlich bei Ratatouille zusammensitzen konnten.

Stromboli - Vulkan (Tag 5):

Für eine abenteuerreiche Studienfahrt ist eine Lokation natürlich nicht genug und so wurde am fünften Tag mit dem Boot nach Stromboli übergesetzt: ein aktiver Vulkan. Wie am Anreisetag voll bepackt mit Rucksäcken und Vesperpaketen kamen 20 gespannte Studienfahrer mit Augenringen auf Stromboli an. Der restliche Tag sollte zur eigenen Verfügung und eventuell auch zur Erholung zur Verfügung stehen. Daran war aber für die meisten nicht zu denken. Einkaufen, essen, italienische Jungs ansprechen und die kleine Stadt erkunden stand auf dem Plan einiger, wohingegen andere den Tag tatsächlich zur Erholung nutzten. Die war auch sehr nötig, denn am Abend um 19 Uhr sollte es auf zu unserem Highlight gehen: Die Besteigung des aktiven Vulkans Stromboli.

In die Nacht hinein ging es mit Führer, Helm und Stirnlampe knappe 1000 Höhenmeter den Berg hinauf. Als es langsam dunkel wurde und wir alle unsere Stirnlampen bereits in Betrieb genommen hatten, startete rechts neben uns auf einmal ein Düsenjet; hätte man meinen können, doch wir hatten soeben den ersten aktiven Schlot passiert. Weniger als 300 Meter von uns entfernt, flog Lavagestein ca. 50 Meter in die Luft. Das war eine Vesperpause wert. Die zweite Pause wurde erst wieder am Kraterrand mit Gesäßheizung eingelegt. Von dieser Kante aus konnte man den größten Schlot sowie auch einige atemberaubende Ausbrüche bewundern. Ein unvergesslicher Moment, wenn einem bewusst wird, dass man wohl nie wieder mit natürlicher Sitzheizung und italienischer Salami im Mund einen Vulkan live und in Farbe sehen wird.

Weitere Touristen kamen, wir mussten unsere VIP Lounge verlassen und den Abstieg beginnen. Weil wir aber alle so schnell laufen, dass hinter uns gerne mal eine Staubwolke entsteht und die Vulkanasche nicht gerade angenehm in den Atemwegen ist, durften wir alle mit weißem Mundschutz eine chinesische Reisetruppe spielen, zumal auch die Augen mittlerweile nur noch Schlitze waren und bald zugefallen waren.

Stromboli - Dorf (Tag 6):

Da wir die Insel Stromboli bisher größtenteils bei Nacht bewundern durften und wir schießlich einen Pausentag einlegen wollten, ging es ans normale Touri-Leben. Mit ein paar kleinen Aufgaben, die Kultur der Insel betreffend, im Hinterkopf ging es los, durch die nur von Apen und Golf-Carts befahrenen Straßen.

Nachdem es aber selbst im Dorfkern mit der Zeit recht warm wurde, fanden sich alle nach einiger Zeit am Strand wieder, wo der meeresbiologische Teil unserer Studienfahrt abgedeckt werden sollte. Nachdem wir zu Beginn nur kleine Fische angetroffen hatten, wurde gegen Ende doch noch ein Tintenfisch entdeckt. Beim kläglich gescheiterten Versuch, diesen zu fangen, ging zwar ein weißes T-Shirt verloren, jedoch hatten alle einen Riesenspaß. Um den Tag abzurunden, wurde ein verhältnismäßig kleiner Spaziergang um die Insel angetreten, um den Vulkanschlot ein weiteres Mal zu sehen. Leider war uns der Weg aber durch Sand und Geröll abgeschnitten und wir ließen uns auf dem schwarzen Lavasand nieder, um unser eigens gedichtetes Lied gemeinsam zu singen. Auch wenn an diesem Tag eigentlich keine großen Abenteuer geplant waren, hatten wir sehr viele erlebt.

Palermo (Tag 7):

„Am siebten Tage sollst du ruhen“ -  gilt leider nicht für uns und so wurde der erste Schritt in Richtung Heimat getätigt: mit dem Boot nach Milazzo und von da aus zugfahrend und kartenspielend, für vier Stunden die Nordküste Siziliens entlang. In Palermo, einer riesigen, typisch südländischen Stadt angekommen, wurden die Unterkünfte bezogen. Die Mädchen mit den Lehrern in der einen, die Jungs auf eigene Faust in der anderen Pension. Der Tag wurde dann in Kleingruppen fleißig genutzt, um Palermo unsicher zu machen. Die zuerst sehr dreckig scheinende Stadt stellte sich nach und nach als kulturell sehr wertvoll und schön heraus. Der Abend und somit auch schon fast die ganze Reise wurde mit einem gemeinschaftlichen Abendessen mitten im Herzen Palermos abgeschlossen, welches leider für unsere Spezial-Esser einige Schwierigkeiten bereit halten sollte.

Um das letzte Mal das Italienische Essen zu verdauen und die südländische Luft einzuatmen, wurde noch eine kleine Runde zu Fuß gedreht, bevor die letzte Nacht anbrechen sollte.

Heimreise (Tag 8):

Wie alles – außer der Wurst – hat leider auch unsere Reise ein Ende. Somit begannen wir die Heimreise, schön ausgeschlafen, um 5:30 Uhr in Palermo. Nach einer kleinen Wanderung durch Palermo und einem spärlichen Frühstück ging es mit dem Bus zum Flughafen. Dort angekommen hatten wir noch etwas Zeit, um den Rest unseres Frühstücks einzunehmen und Karten zu spielen. Mit unseren „Terroristenhosen“, wie Herr Melzer sie zu nennen pflegte, stiegen wir anschließend in den Flieger, wo die Karten erneut ausgepackt wurden.

In Deutschland trennten sich schließlich unsere Wege. Die letzten paar Leute, die bei Herr Melzer mitfahren sollten, mussten noch eine Stunde auf den Fahrer warten und haben – wer hätte es gedacht – Karten gespielt. Als wir dann endlich den letzten Katzensprung nach Hause antreten wollten, versagte leider unser Navi, wodurch wir noch etwas mehr Zeit gemeinsam hatten. Nach insgesamt 8 Stunden, 37 Minuten und ein paar Zerquetschten hatten wir die Heimreise bewältigt.

Nach mehreren Kilometern wandern, Quallen-Attacken und vielen weiteren Abenteuern sehnten wir uns zwar noch nicht wirklich wieder nach der Schule, sind aber froh, dass uns eine solche Studienfahrt ermöglicht wurde. Wir bedanken uns bei unseren Lehrern, die sich nie als solche in Szene setzten, da sie immer wie Mitreisende mit uns gemeinsam die Tage planten, Spaß hatten und dennoch achtsam waren. Natürlich sagen wir herzlich Dank unseren „Sponsoren“, wer auch immer diese für jeden Einzelnen von uns sein mögen. Wir hoffen, dass ein solches Erlebnis noch weiteren Schülern zuteil werden darf, und ermutigen alle, die sich überlegen, nach Lipari zu fahren.

Es hat sich mehr als nur gelohnt!